Den Künstler Tom Odell kennen die meisten wahrscheinlich von seinem Hit „Another Love“. Im September hat der Brite sein siebtes Studioalbum „A Wonderful Life“ veröffentlicht...
„Wuthering Heights“
„I wish I were a girl again, half savage and hardy, and free.“
Dieses Zitat wird wohl die britische Regisseurin Emerald Fennell inspiriert haben, als sie ihre, äußerst frei ausgelegte, Neuverfilmung von Emily Brontës viktorianischem Klassiker Wuthering Heights konzipiert hat. Es stammt aus der Romanvorlage, die Fennel selbst als junges, halb wildes und zähes Mädchen um die Jahrtausendwende herum verschlungen hat.
Dass ihr Fokus dabei auf der zentralen, durchaus kontroversen, verbotenen Romanze, und nicht etwa auf den akademisch viel diskutierten, gesellschaftskritischen Aspekten des Buches, lag, ist wenig überraschend. Dass ihr Film deshalb bisweilen mehr wie eine jugendlich-anmutende Schmuddel-Fanfiction als wie eine nüchtern Buch-treue 1:1 Adaption daher kommt, sollte es eigentlich auch nicht sein. Im Vorlauf hatte sie das Publikum dahingehend nämlich eigentlich schon hinreichend gewarnt, sei es durch ihr rassenblindes Casting, die anachronistische Wahl der modernen Dance-Pop Künstlerin Charli xcx für den Soundtrack, oder, wahrscheinlich am offensichtlichsten, die Hinzugabe von Anführungszeichen um den Buchtitel, als Zeichen der Distanz vom ursprünglichen Werk. Kurz gesagt: Es wurde genug getan, um „Im Buch ist es aber anders!“ als Kritikpunkt zu entkräften.
Wie es aber leider so ist, stößt ihr vulgärer, expressionistischer Remix des Klassikers, trotz all dieser vorausschauenden Vorarbeit, aktuell dennoch auf jede Menge empörten Widerstand seitens pseudo-intellektueller Buch-Puristen, die sich ignorant an die Romanvorlage klammern, als wäre es die Bibel selbst, und ähnlich päpstlich predigen, dass alles außer einer Wort-für-Wort-Adaption ketzerischer Blasphemie gleichkommt. Etwas albern, wenn man bedenkt, dass von den Dutzenden (Plural) bereits existierenden Adaptionen die allerwenigsten dem Buch treu bleiben, geschweige denn gerecht werden, und die wohl treueste (und beste) Weiterverwertung des Materials eine Reihe an Musikvideos ist, in denen Kate Bush zu ihrem gleichnamigen Song diverse Ausdruckstanz-Routinen vorführt.
Warum diese engstirnige, ja fast schon kunstfeindliche Reaktion also nicht nur dem originalen Werk sondern auch der, gerade durch ihren subversiven Charakter durchaus spannenden, neuesten Filmversion nicht gerecht wird, und sich ein Kinobesuch, trotz des Shitstorms, sogar durchaus lohnen könnte, all das erfahrt ihr in meinem CineTipp-Beitrag zu Emerald Fennells „Wuthering Heights“.
Bildquelle: Alon Amir/Warner Bros.





