Bundesliga aus der Sicht eines Fußball-Neulings

Es soll vorkommen, dass es auch Menschen gibt, die Nichts von Fußball verstehen. Mich zum Beispiel! Trotzdem haben mich Freunde (aus Mainz) mich nach zwei Jahren endlich überreden können mit ihnen auf ein Stadionspiel zu gehen. Es hat sich demnach angeboten auf das vergangene Spiel des FC Augsburgs gegen den FSV Mainz 05 am Sonntag den 22.04. zu gehen.

Bewaffnet mit Fan-Schal und voller Vorfreude sind wir schon morgens durch die Stadt geschlendert, um einen kleinen Snack vor dem Spiel zu uns zu nehmen. Das war gar nicht mal so einfach! Denn prompt sind wir den FCA Ultras in die Arme gelaufen, die uns erst subtil und dann ziemlich direkt deutlich gemacht haben, dass wir uns „verpissen“ sollen bevor die Situation noch eskaliert. Da war sie also – meine erste Erfahrung als „Fußballfan“. Die Freude auf das Spiel war danach ziemlich gedrückt. Es machte sich leichte Panik bei mir breit, denn schließlich wollte mich gerade jemand verprügeln, nur weil ich einen Schal trug.

Als Fußball-Neuling hatte ich zunächst gar kein Verständnis dafür. Später überlegte ich mir, was mich wohl dazu bringen würde jemandem ernsthaft zu drohen. Dann wurde mir klar, dass diesen extremen Fans ihr Verein und die Identifikation mit diesem einfach so wichtig ist, wie mir zum Beispiel Fairness oder Gleichheit. Der Verein ist sozusagen ein Leitfaden für ihr Handeln und ihre Identität (ihr Sein), welches sich direkt angegriffen zu fühlen scheint, sobald Fans des anderen Vereins auftreten. Das gerechtfertigt zwar dieses Verhalten nicht, macht es aber vielleicht ein wenig nachvollziehbarer (?). Zudem merkten wir schnell, dass es sich bei der Gruppe Ultras um eine Ausnahme handelte.

Natürlich gab es keine weiteren Zwischenfälle. Die meisten FCA Fans waren sogar sehr offen zu uns. Wir kamen mit vielen ins Gespräch und unterhielten uns über die Sache, um die es eben hauptsächlich ging: und zwar Fußball. Angekommen im Stadion überwältigte mich die Anzahl der Menschen, die sich versammelten, um ihren Verein und den Sport Fußball zu unterstützen. Insbesondere die Fan-Kurven machten richtig gute Stimmung, sodass man manchmal mehr auf das Mitfeiern anstatt auf das Spiel konzentriert war.

Das Fußballspiel an sich, kam mir recht langatmig und unspektakulär vor. Mir ist jedoch aufgefallen, dass die Spieler auf dem Feld sehr fair zueinander waren. Man half sich gegenseitig wieder auf die Beine und klärte Streitigkeiten schnell und friedlich. Bislang dachte ich, dass nicht nur die Fans, sondern auch die Spieler der gegnerischen Mannschaften so etwas wie Feinde wären. Schön zu sehen, dass ich mich geirrt hatte! Auch die FCA Fans überraschten mich schließlich nach dem Spiel sehr positiv. Nach der Niederlage von Mainz hatte uns ein Wirt auf ein Getränk eingeladen, sodass mich meine anfängliche Panik doch noch gelegt hatte. Also: Ende gut, alles gut!

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